Nur wenige Monate nach der Konstituierung eines neuen Fangremiums verlässt die aktive Fanszene das Dialogformat.
Trotz des mehrfachen Scheiterns in den letzten Jahrzehnten nahmen Vertreter der aktiven Fanszene als auch Fanvertreter unorganisierter Fans der Süd- & Westtribüne die Einladung von Hannover 96 an, sich an einem neuen Dialogformat zu beteiligen.
Bereits in der ersten Sitzung (April 2026) bestätigte sich leider erneut die Vermutung, dass das neue Fangremium als Feigenblatt für Hannover 96 dienen sollte, um einen vermeintlich intakten Club-Fan-Dialog nach außen hin zu suggerieren. Wie auch in vergangenen Formaten gab man sich seitens Hannover 96 erneut wenig Mühe, zumindest den Schein zu wahren, dass es um einen Dialog zur Verbesserung des Verhältnisses zwischen Fans und Club für ein gemeinsames „WIR“ ginge.
So sollte nach Wunsch der Clubvertreter bereits unmittelbar im Anschluss an das erste Treffen eine öffentliche Kommunikation der Gründung des neuen Gremiums als auch eine Art Satzung veröffentlicht werden. Wohlgemerkt: Ohne auch nur eine Minute gearbeitet zu haben. Die vorgeschlagene Vorgehensweise sowie mehrere elementare Punkte der Satzung wurden von allen Fanvertretern einstimmig abgelehnt. Die Clubseite wurde daher gebeten die Änderungswünsche bis zum Folgetermin in die Satzung einzuarbeiten, um einen verlässlichen Dialog zu gewährleisten.
Im Zuge des zweiten Treffens (Mai 2026) adressierten die Fanvertreter ihrerseits Themenschwerpunkte, die bereits mehrfach auch in den vergangenen Jahren erfolglos platziert worden waren.
Zu den genannten Themen gehörten unter anderem:
– Öffnung von Tageskassen an Spieltagen für ein barrierefreies Stadionerlebnis
– Barrierefreies & sozialverträgliches Stadionerlebnis mit mindestens einer Barzahlerkasse in jedem Tribünenbereich
– Testspiele unter Einbindung von Zuschauern zur Stärkung der Identifikation
– Erweiterung der Begegnungsstätte Zwinger zur Entspannung der räumlichen Begrenzung
– Erweiterung der Stehplätze im Nord-Oberrang zur Entspannung der Blocksituation hinsichtlich gestiegener Zuschauerzahlen
– Wiedereröffnung gemeinsamer Heimbereich Nord/West (Oberrang) und Rückbau oder mindestens die Öffnung des Zauns zwischen beiden Stadionbereichen
– Rückkehr der traditionellen Eintrittskarte in ihrer individuellen gedruckten Papierform als Option neben der digitalen Variante
– Aufwertung des Caterings (Qualität/Angebot/Preisgestaltung)
– Umzug des Familienblocks zur Stärkung der Bindung mit dem Heimbereich Nord/West
Für Irritation sorgten unterdessen die Äußerungen des Geschäftsführers der Hannover 96 Sales & Service und Arena GmbH & Co. KG. Dieser sorgte mit unterschiedlichen Aussagen auf kritische Anmerkungen zum Stadionerlebnis (z.B. „Derartige Spiele besuche ich mit meiner Tochter selbst auch nicht.“) für Kopfschütteln bei einer Vielzahl der Anwesenden. Auch in seinen weiteren Ausführungen machte besagter Repräsentant nicht den Eindruck, für den Club einen Mehrwert in Faninteressen zu sehen, geschweige denn, die skizzierten Herausforderungen ernst nehmen zu wollen. Von einem Verantwortungsbewusstsein für etwaige Missstände in seinem Verantwortungsbereich fehlte ebenfalls jede Spur.
Nach dem ergebnislosen Verstreichen der Sommerpause fand die dritte Sitzung am 08. September statt. Trotz einer klaren Definition der ersten Verbesserungspunkte hatte es Hannover 96 zwischen Mai und September nicht geschafft, in auch nur einem Punkt den Fanvertretern einen Lösungsvorschlag, auch nicht in Form eines Kompromisses, zu präsentieren.
In Anbetracht dieser ernüchternden Tatsachen, tragen wir die erneute Enttäuschung für das Ehrenamt in der Fanszene von Hannover 96 mit Fassung und verlassen das Dialogformat mit sofortiger Wirkung.
Darüber hinaus wurden die Verantwortlichen von Hannover 96 aufgefordert, der aktiven Fanszene mitzuteilen, ob und zu wann die Begegnungsstätte Zwinger geräumt werden soll. Die aktive Fanszene sieht aufgrund ihrer bisherigen Zugeständnisse in puncto Zwinger in den vergangenen Spielzeiten keinen Anlass für eine Eskalation, die offenbar seitens der Clubführung um Martin Kind medial initiiert wird. Eine Antwort wurde bis zum Ende dieser Woche erbeten.
Sollten die Verantwortlichen bei Hannover 96 in Zukunft ernsthaft an einem konstruktiven Dialogformat interessiert sein, besteht unsererseits die klare Erwartung einer wesentlichen Verbesserung in mehreren der genannten Fanthemen, um überhaupt eine belastbare Gesprächsbasis zu schaffen. Bisherige Zusagen zu besagten Themen waren ausnahmslos Lippenbekenntnisse.
An dieser Stelle gilt unser ausdrücklicher Dank allen Mitstreiterinnen und Mitstreitern des Gremiums aus sämtlichen Tribünenbereichen sowie dem Fanprojekt der Stadt Hannover, die den Sitzungen beigewohnt haben.
Fanszene Hannover im September 2026
